Grenzen setzen: Wie du lernst, das eigene Steuer zu übernehmen
Manchmal merken wir erst, dass wir unsere eigenen Grenzen ständig überschritten haben, wenn wir anfangen, sie einzuhalten.
Vor Kurzem durfte ich eine Mama begleiten, die genau das erlebt hat.
Nennen wir sie Maria.
Wenn Grenzen setzen plötzlich ein schlechtes Gewissen macht
Da gibt es eine Freundschaft, die Maria schon länger viel Energie kostet.
Erwartungen. Unpünktlichkeit. Rücksicht nehmen. Und häufig war es Maria, die zurückgesteckt hat.
Dieses Mal nicht.
Sie hatte ihre eigene Grenze wahrgenommen und ist für sich selbst eingestanden.
Eigentlich etwas Gutes.
Und trotzdem fühlte es sich zunächst überhaupt nicht so an.
Denn ihre Freundin reagierte verärgert.
Und plötzlich waren da diese Gedanken:
War ich zu hart?
Hätte ich doch wieder nachgeben sollen?
Habe ich etwas falsch gemacht?
Genau diese Gedanken brachte Maria mit in unsere gemeinsame Session.
Ballast loslassen – Stein für Stein
Während der Hypnose entstand ein erstes inneres Bild.
Auf Marias Schultern lagen Steine.
Sie standen für Ballast aus der Vergangenheit. Für Dinge, die noch offen waren. Für Erwartungen, Gedanken und das schlechte Gewissen, das sie mit sich herumtrug.
Also durfte sie beginnen, diese Steine herunterzunehmen.
Einen nach dem anderen.
Nicht alles auf einmal. Nicht mit Gewalt.
Einfach das ablegen, was sie nicht länger tragen wollte.
Aus diesem ersten Bild entwickelte sich eine Reise.
Das eigene Steuer wieder in die Hand nehmen
Maria stellte sich vor, auf einem Schiff zu stehen.
All das, was sie nicht mehr mitnehmen wollte, durfte von Bord.
Und mit jedem Stück Ballast lag das Schiff ein wenig leichter im Wasser.
Bis Maria schließlich selbst ans Steuer ging.
Vor ihr lag das Meer.
Nicht vollkommen ruhig.
Denn nur weil wir eine Entscheidung getroffen oder eine Grenze gesetzt haben, wird das Leben nicht plötzlich glatt.
Es gibt weiterhin Wellen.
Manchmal Gegenwind.
Vielleicht sogar einen Sturm.
Aber ein stabiles Schiff kann auch durch unruhiges Wasser fahren.
Und vor allem hatte sich etwas Entscheidendes verändert:
Maria hatte selbst das Steuer in der Hand.
Sie durfte ein neues Ziel anvisieren und in ihrer Vorstellung erleben, wie sie diesem Ziel Stück für Stück näherkam.
Welches Gefühl würde dir jetzt helfen?
Dann stellte ich Maria eine Frage:
„Welches Gefühl könnte dir helfen, deinen Weg weiterzugehen?“
Ihre Antwort kam:
Erleichterung.
Also ließen wir dieses Gefühl wachsen.
Wie einen kleinen Baum, den wir mit den richtigen Gedanken, inneren Bildern und neuen Erfahrungen gießen können.
Und plötzlich stand nicht mehr hauptsächlich das schlechte Gewissen darüber im Mittelpunkt, dass sie für sich selbst eingestanden war.
Da war etwas anderes:
Die Erleichterung, es endlich getan zu haben.
Am Ende beschrieb Maria ihren Zustand als leicht und richtig gut.
Grenzen setzen heißt nicht, andere wegzustoßen
Genau deshalb ist Maria für mich eine Alltagsheldin.
Nicht, weil sie gegen einen anderen Menschen gekämpft hat.
Sondern weil sie gelernt hat, für sich selbst einzustehen.
Grenzen zu setzen bedeutet nicht automatisch, jemanden wegzustoßen.
Es bedeutet auch nicht, egoistisch zu sein.
Manchmal bedeutet es einfach, wahrzunehmen:
Bis hierhin – und jetzt kümmere ich mich auch um mich.
Vielleicht ist das eine Form von Selbstführung: nicht darauf zu warten, dass andere unsere Grenzen erkennen, sondern sie zunächst selbst wahrzunehmen.
Und dann den Mut zu entwickeln, danach zu handeln.
Persönliches Wachstum beginnt manchmal mit einem einzigen Stein
Vielleicht müssen wir dafür gar nicht sofort unser ganzes Leben verändern.
Vielleicht reicht für den Anfang eine Frage:
Welchen Ballast trage ich noch mit mir herum, nur weil ich Angst habe, jemanden zu enttäuschen?
Und dann eine zweite:
Was würde passieren, wenn ich heute einen einzigen Stein davon ablege?
Vielleicht wird das Meer dadurch nicht ruhiger.
Vielleicht verschwinden auch die Wellen nicht.
Aber das eigene Schiff könnte ein bisschen leichter werden.
Und vielleicht fällt es uns dadurch leichter, unser eigenes Steuer wieder in die Hand zu nehmen.
🌱 Wir sind gemacht, um zu wachsen.
Nicht perfekt.
