Impulse für Wachstum | Alltagsgeschichten & persönliche Entwicklung

Wie aus einem Wunsch ein Ziel wird

Eines abends lag ich mit meiner Familie auf einer Picknickdecke und wir beobachteten die Perseiden. Eine Sternschnuppe folgte der nächsten – und irgendwann kamen die Fragen meiner Kinder: „Muss ich mir den Wunsch wünschen, solange die Sternschnuppe zu sehen ist? Kann ich ihn aufheben? Kann ich ihn jemand anderem schenken? Und darf ich ihn überhaupt erzählen?“

Den letzten Satz kennen wahrscheinlich viele von uns: „Verrate deinen Wunsch nicht, sonst geht er nicht in Erfüllung.“ Ein schöner Glaubenssatz aus unserer Kindheit. Aber vielleicht sollten wir bei manchen Wünschen genau das Gegenteil tun: ihnen eine Stimme geben.

Einer meiner Söhne möchte Erfinder werden. Seine Idee ist eine Maschine, die verschmutzte Luft einsammelt, reinigt und wieder sauberer macht. Also fragte ich ihn nicht nur, was er sich wünscht, sondern: Was genau möchtest du erfinden? Was müsstest du dafür lernen? Und was könntest du heute schon ausprobieren?

Plötzlich wurde aus einem Wunsch eine Richtung.

Genau darum geht es auch bei Methoden wie SMART: Einen Wunsch so konkret zu machen, dass daraus ein Ziel und irgendwann ein erster Schritt werden kann. Denn „Du musst nur daran glauben“ ist schnell gesagt. Die viel spannendere Frage ist: Wie entsteht dieser Glaube an uns selbst?

Meine Erfahrung als Trainer ist: durch Erleben. Ein erster Schritt gelingt. Dann vielleicht der nächste. Wir merken: Ich kann etwas beeinflussen. Ich kann lernen. Ich kann wachsen. Aus kleinen Erfolgserlebnissen kann so nach und nach Selbstwirksamkeit entstehen.

Vielleicht fasziniert mich dieses Prinzip auch deshalb, weil es mich schon mein ganzes Berufsleben begleitet. Als Maschinenbauingenieur beginnt Neues oft mit einer Idee von etwas, das es noch gar nicht gibt. Als Trainer braucht Entwicklung ein Ziel, für das wir bereit sind zu trainieren. Und als Sachverständiger erlebe ich immer wieder: Bevor unterschiedliche Beteiligte gemeinsam eine Lösung finden können, braucht es zunächst den gemeinsamen Wunsch, überhaupt eine zu finden.

Warum sollte es in unserem eigenen Leben anders sein?

Irgendwann kamen an diesem Abend immer noch Sternschnuppen – aber mir gingen langsam die Wünsche aus. Später lag ich auf der Picknickdecke, meine Familie neben mir, der Sternenhimmel über uns, und bin einfach eingeschlafen. Glücklich.

Am nächsten Morgen wurde mir etwas bewusst: Vielleicht war einer meiner Wünsche längst wahr geworden. Zeit mit meiner Familie. Kein Termin. Kein Müssen. Einfach dieser Moment.

Vielleicht bedeutet Ziele entdecken deshalb nicht, ständig nach dem nächsten Ziel zu suchen. Manchmal bedeutet es auch, wahrzunehmen, welche früheren Wünsche längst Teil unseres Lebens geworden sind.

Und vielleicht nimmst du dir heute einen Moment und vervollständigst nur diesen einen Satz:

„Ich wünsche mir …“

Was genau wünschst du dir? Warum ist es dir wichtig? Woran würdest du merken, dass du ihm näherkommst? Und was wäre ein kleiner erster Schritt?

Die Sternschnuppe erfüllt deinen Wunsch vielleicht nicht.

Aber sie kann dich daran erinnern, dass du noch Wünsche haben darfst.

Finde deinen Wunsch. Entdecke dein Ziel. Finde deinen Weg.

Wir sind gemacht, um zu wachsen.

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