Impulse für Wachstum | Alltagsgeschichten & persönliche Entwicklung

Wie oft stehst du eigentlich im Garten der anderen?

Was Social Media, Aufmerksamkeit und die Rosen meines Opas mit Zufriedenheit zu tun haben

Früher, als es noch kein Smartphone gab, musste man tatsächlich aus dem Haus gehen, um in den Garten eines anderen zu schauen.

Wir haben Freunde besucht.

Und natürlich haben wir dort Dinge gesehen, die wir auch gerne gehabt hätten: ein schöneres Fahrrad, cooleres Spielzeug oder ein größeres Zimmer.

Aber wir haben eben auch den Rest gesehen.

Das Zimmer des Freundes war auch mal unaufgeräumt. Im Garten gab es Unkraut. Und auch dort bestand das Leben nicht nur aus den schönen Momenten.

Irgendwann sind wir wieder nach Hause gegangen.

Zurück in unseren eigenen Garten.

Vielleicht mit einer neuen Idee. Vielleicht mit etwas Inspiration. Und vielleicht auch ein bisschen neidisch.

Aber unsere Aufmerksamkeit war wieder dort, wo wir tatsächlich etwas verändern konnten.

Die Rosen meines Opas

Ich muss dabei an meinen Opa denken.

Er hatte wunderschöne Rosen. 🌹

Andere Menschen haben ihn darum beneidet.

Und ich erinnere mich bis heute an einen Satz von ihm:

„Die Menschen sehen immer nur die Rosen. Sie sehen nicht die Arbeit, die dahintersteckt.“

In diesem Satz steckt für mich heute unglaublich viel.

Denn ich habe meinen Opa nicht den ganzen Tag durch fremde Gärten laufen und fremde Rosen anschauen sehen.

Er war in seinem Garten.

Er hat gegossen.

Geschnitten.

Ausprobiert.

Sich gekümmert.

Und irgendwann sind dort wunderschöne Rosen gewachsen.

Heute tragen wir die Gärten der anderen in unserer Hosentasche

Social Media hat etwas grundlegend verändert.

Heute können wir durch hunderte fremde Gärten laufen, ohne überhaupt vom Sofa aufzustehen.

Ein Wisch – der nächste Garten.

Noch schöner.
Noch erfolgreicher.
Noch glücklicher.
Noch perfekter.

Dabei gibt es allerdings einen entscheidenden Unterschied zu früher:

Wir sehen häufig nicht den ganzen Garten.

Wir sehen die schönste Ecke.

Im besten Licht.

Vielleicht noch bearbeitet und sorgfältig ausgewählt.

Und dieses Bild vergleichen wir dann mit unserem eigenen Garten – inklusive Unkraut.

Wir sehen, wie andere aussehen.

Was sie besitzen.

Wo sie Urlaub machen.

Wie glücklich ihre Beziehung wirkt.

Wie ordentlich ihr Zuhause ist.

Wie erfolgreich sie scheinbar sind.

Und natürlich kann das etwas mit uns machen.

Aufmerksamkeit ist auch Lebenszeit

Das Problem ist für mich deshalb gar nicht Social Media an sich.

Es kann inspirieren, verbinden und uns neue Ideen zeigen.

Die spannendere Frage lautet:

Wie viel meiner Aufmerksamkeit verbringe ich eigentlich im Garten der anderen?

Denn während unsere Aufmerksamkeit ständig dort unterwegs ist, fehlt sie an einer anderen Stelle:

im eigenen Garten.

Und Aufmerksamkeit ist mehr als ein kurzer Blick.

Aufmerksamkeit ist auch Lebenszeit.

Jede Minute, die ich irgendwo verbringe, ist eine Minute meines Lebens.

Das macht sie nicht automatisch verschwendet.

Aber vielleicht lohnt es sich, hin und wieder bewusst zu entscheiden, wohin diese Zeit fließen soll.

Was möchtest du in deinem Garten wachsen lassen?

Vielleicht müssen wir unseren eigenen Garten gar nicht perfekter machen.

Vielleicht dürfen wir erst einmal wieder öfter darin sein.

Und wahrnehmen:

Was tut mir gut?

Wie möchte ich mich fühlen?

Welche Menschen möchte ich um mich haben?

Und was möchte ich in meinem Leben wachsen lassen?

Mehr Ruhe?

Mehr Zufriedenheit?

Mehr Selbstvertrauen?

Mehr Energie?

Mehr echte Zeit mit Menschen, die mir wichtig sind?

Zufriedenheit entsteht nicht automatisch dann, wenn unser Garten irgendwann genauso aussieht wie der eines anderen.

Zufriedenheit darf im eigenen Garten wachsen.

Auch mentale Fähigkeiten können wachsen

Genau deshalb halte ich mentale Fähigkeiten für so wichtig.

Wir lernen Mathematik.

Deutsch.

Englisch.

Aber wo lernen wir eigentlich, unsere Aufmerksamkeit bewusst zu lenken?

Wo lernen wir, Gefühle wahrzunehmen, mit Vergleichen umzugehen oder einen Zustand von Ruhe und Zufriedenheit zu fördern?

Auch solche Fähigkeiten dürfen wir trainieren.

Nicht jede Pflanze ist schon groß.

Nicht jede Fähigkeit steht uns in jeder Situation automatisch zur Verfügung.

Und nicht jede Veränderung blüht sofort.

Aber deshalb hören wir doch nicht auf zu gießen.

Vielleicht braucht Ruhe manchmal einen bewussten Atemzug.

Selbstvertrauen eine neue Erfahrung.

Zufriedenheit einen anderen Blickwinkel.

Und persönliche Entwicklung vor allem eines:

Aufmerksamkeit für das, was in uns wachsen soll.

Leg das Handy weg – und schau, was schon da ist

Vielleicht brauchen wir deshalb wieder ein bisschen mehr echte Zeit.

Zeit ohne Scrollen.

Zeit mit Freunden.

Zeit in der Natur.

Zeit zum Nachdenken.

Zeit für dich.

Denn jedes Mal, wenn du dein Handy bewusst weglegst, entscheidest du nicht nur, was du gerade nicht anschaust.

Du entscheidest auch, wem du deine Aufmerksamkeit und damit einen Teil deiner Lebenszeit zurückgibst.

Und manchmal bist das endlich wieder du selbst.

Mein Opa hat seine Rosen nicht dadurch zum Blühen gebracht, dass er den ganzen Tag die Rosen der Nachbarn betrachtet hat.

Er hat seinen eigenen Garten gepflegt.

Vielleicht ist deshalb die entscheidende Frage gar nicht:

„Wie bekomme ich den Garten der anderen?“

Sondern:

„Was möchte ich eigentlich in meinem wachsen lassen?“

Finde deinen Garten.

Nimm wahr, was schon da ist.

Pflege ihn.

Und lass dort wachsen, was dir guttut. 🌱

Denn vielleicht entdeckst du dabei etwas, das du beim ständigen Blick über den Zaun längst übersehen hattest:

Deine eigenen Rosen beginnen bereits zu wachsen.

🌱 Wir sind gemacht, um zu wachsen.

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